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STROM4ME: Strom Nachrichten und Artikel

06.11.2006 STROM4ME: Ist die Privatisierung der Stromkonzerne am Stromausfall in Europa schuld?

Nach dem Stromausfall in weiten Teilen Europas und dem Medienrummel um die geplante Übernahme von Endesa durch Eon für die stolze Summe von 37 Milliarden Euro, drängt sich die Frage auf, ob die internationalen Stromkonzerne noch genügend in ihre Netze, die sie im Rahmen der Privatisierungen als Mitgift mitbekommen haben, investieren.

Die Mitglieder des faktischen Oligopols weisen diese Behauptung weit von sich, indem sie auf den guten Zustand und die regelmässige Wartung verweisen. Ein Mitglied des Vorstands von Vattenfall-Europe betont die normalerweise vorherrschende Zuverlässigkeit. Aus der Politik kommen aber schon Forderungen den Zustand der Netze zu verbessern, weil es dort schon, trotz intensivster Lobbyarbeit der Konzerne anders gesehen wird. Michael Müller, der parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, ein Mitglied der SPD, geht sogar so weit, dass er von astronomischen Gewinnen bei stagnierenden Nachbesserungen spricht. Klaus-Dieter Maubach von Eon bestreitet das krasse Missverhältnis von den Kosten zu den Gewinnen seines Konzerns. Stellvertretend für die Branche will er jedoch nicht sprechen. Denn es ist eine nicht zu verheimlichende Tatsache, dass die Investitionen nach der Liberalisierung des Strommarktes im Jahre 1998 plötzlich merklich gesunken sind und erst im laufenden Jahr, nach mehreren Pannen, wieder anziehen. So wollen die Konzerne bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts knapp 40 Milliarden Euro in die Stromtransportwege investieren. Trotzdem hat Eon seine eklatanten Strompreissteigerungen im Vorjahr immer wieder mit der angeblich so hohen Versorgungssicherheit gerechtfertigt. Im selben Zeitraum stiegen die Gewinne jedoch überdurchschnittlich, so dass das ehemalige Staatsunternehmen seinen Gewinn annähernd verdoppeln konnte, der fast im zweistelligen Milliardenbereich liegt.

Als Ausrede der Unternehmen wird gerne der staatlich verordnete Anteil an Windstrom herangezogen. Die wachsende Rolle der sich stetig vergrößernden Prozentzahl an Windkraft soll den Regelbetrieb immer labiler machen. Die Deutsche Energieagentur hat eine Studie veröffentlicht aus der hervorgeht, dass für die Betriebssicherheit des Netzes annähernd eintausend Kilometer an weiteren Leitungen notwendig sind. Dies soll einen unproblematischeren Betrieb garantieren, ob jedoch dann Europa vor weiteren Strompannen gefeit ist bleibt dahin gestellt. Der Verband der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber sprach von völligem Normbetrieb im verlauf des gesamten Wochenendes.

Ob und wann uns die nächste, so genannte Sendestörung droht, ist leider nicht mit letzter Sicherheit zu beantworten. Das für diesen Stromausfall zuständige Unternehmen, der ehemalige Ruhrkonzern Eon, gibt sogar zu, dass ihm die konkreten Ursachen und Hintergründe noch schleierhaft sind. Konkret ausgelöst könnte der Zwischenfall wohl durch die Abschaltung einer Höchstspannungsleitung über die Ems, zur Durchfahrt des Ozeanriesen "Norwegian Pearl" , aus seiner Papenburger Werft, in Richtung Nordsee, worden sein. Wie ein Dominoeffekt breitete sich der Ausfall von Mitteleuropa nach Westen aus. Eine Leitung nach der anderen, Umspannwerk über Umspannwerk verbreitete sich die Dunkelheit über den Kontinent aus. Am Abend des Montags glückte dann, nach den aktuellen Angaben, ein weiterer Versuch den 60 Meterriesen von der Meyer Werft ins offene Meer zu bringen. Dies stellt keine Ausnahme dar. Mit häufiger Regelmäßigkeit werden gigantische Kreuzfahrtschiffe nach dem Stapellauf über den Fluss ausgeliefert. Bisher immer ohne Zwischenfälle wurde dabei, bei entsprechenden Ausmaßen, die Leitung ohne Zwischenfälle temporär gekappt. Außerhalb der Runde der Konzerne wird der Vorfall von vor ein paar Tagen konträr beäugt. Der Bund der Energieverbraucher lässt, durch seinen Sprecher Aribert Peters, verlauten, dass die Sicherheit der Versorgung durch die Energiewirtschaft nicht mehr ausreichend gewährleistet wird. Es kommt die Befürchtung auf, dass der Zustand der Stromnetze immer maroder, ja bald ähnlich dem in Osteuropa, zu Sowjetzeiten, oder dem derzeitigen in den USA, wird. Der Zwischenfall vom Wochenende ist ja in letzter Zeit nicht der Einzige auf unserem Kontinent gewesen, es häuft sich mittlerweile, dass die Lichter ausgehen. Vor zwei Jahren wurde ein Ausfall in Italien durch einen Zwischenfall in der Schweiz ausgelöst. Letztes Jahr war das Münsterland einem Engpass ausgeliefert, obwohl die Unternehmen der Energiewirtschaft so einen Zusammenbruch kategorisch ausgeschlossen hatten. Es drängt sich natürlich für die Betroffenen die Frage auf, ob hier Regressforderungen möglich sind, vor Allem in Anbetracht der Tatsache, dass sich die Gewinne der Energieversorger in exorbitanter Höhe bewegen. Das Wirtschaftsministerium, unter der selbsternannten Koryphäe, Michael Glos von der CSU, will die Ansprüche der Geschädigten durch den Erlass einer Verordnung neu regeln. Schuldhaftes Verhalten der Energiewirtschaft zieht den Schadenersatzanspruch der Stromkunden nach sich, ließ der Bundesverband der Verbraucherzentralen verlauten. Die Forderungen müssten an den lokalen Stromversorger gerichtet werden und notfalls durch alle gerichtlichen Instanzen geklagt werden. Denn nur der Konzern kann sich das Geld vom Betreiber des Übertragungsnetzwerkes wiederholen. Als konkretes Beispiel wird der Sturz auf der Treppe bei plötzlicher Dunkelheit aufgezeigt. Ein großer Chemiekonzern aus Ludwigshafen musste seine Produktionsanlagen im Mannheimer Betriebsteil aufgrund des Blackouts herunterfahren. Die Umstellung vom Normal- auf den Sicherheitsbetrieb könnte Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe nach sich ziehen.


 
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